Tripp zu dritt

Allein reisen mit zwei Kleinkindern.

Die einen sagen mutig, ich sage nach einer Woche mit beiden: Wundervoll!

Natürlich hatte ich Bedenken vor der langen Autofahrt, dem auspacken, 6 x beide allein ins Bett zu bringen, dem Weg zum Strand und den Nächten. Aber es kam alles anders als befürchtet.

Die Nacht vor unserer Autofahrt haben wir alle drei unruhig geschlafen. So waren Hugo und Junie schön müde, als wir am Vormittag in Hamburg losgefahren sind. Beide sind kurz nach dem Start im Auto eingeschlafen und ich konnte in Ruhe auf die Tube drücken und Café trinken. Am Autozug in Niebüll angekommen, waren beiden wach und begeistert von den ganzen Autos, Zügen und gut gelaunten Menschen, die, so wie wir, voller Vorfreude auf Sylt in der Warteschlange standen. Während der Überfahrt saßen beide abwechselnd auf meinem Schoß und kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Am Sonntag haben die Geschäfte auf der Insel bis 17 Uhr auf. Wir also vom Autozug in den Supermarkt, um um 16.55 Uhr an der Kasse zu stehen. Danach sind wir direkt zu unserem Feriendomizil gefahren. Die beiden waren so aufgeregt, da uns ein ganzer Hasen-Clan im Garten erwartete. Während Hugo seine Autos auspackte und Junie versucht hat in den Hasenbau zu klettern (keine Sorge, da passte noch nicht mal ihre Hand rein), konnte ich in Ruhe auspacken. Zwischenzeitlich riefen alle Omas, Onkels und Freunde an, um sich zu vergewissern ob auch wirklich alles geklappt hat. Den ersten Anruf hab ich angenommen. Danach war mein Telefon für drei Wochen lautlos. Sylt feeling!

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Etwas müde war ich nach dem Trip dann doch, aber wir sind einfach los gelaufen und haben Keitum erkundet um das Watt zu suchen. Das war bereits am Abend, aber die beiden waren hellwach. Meine Rechnung sie einfach später ins Bett zu legen, ging voll auf. Sie schliefen beide innerhalb von 5 Minuten ein – in einem Zimmer und die Betten aneinander geschoben. Hugo wollte auf Junie aufpassen. In der Nacht war ich die einzige, die drei mal wach war. Sie schliefen und schliefen bis um 9.30! Noch mal: Sylt feeling!

Ich hasse nichts mehr als Stress am Morgen, darum bereite ich meistens abends schon alles vor ,wenn wir im Alltag sind und es schnell gehen muss. Wir haben in den vergangenen drei Wochen jeden Morgen einfach laufen lassen. Keine Uhr, kein Handy, keine Reihenfolge, in der Dinge passieren müssen. Am ersten Morgen, es war eigentlich schon Mittag…, sind wir zum Strand gefahren. Auch davor hatte ich Bedenken. Denn der Weg vom Parkplatz zum Strand dauert ohne Kinderwagen schon 10-15 Minuten. Düne rauf, Düne runter versteht sich. Und auch da habe ich mich wieder umsonst verrückt gemacht, dem Bugaboo Donkey und Hugo’s Puky sei dank! Junie fand den Weg, durchgeschüttelt und ihrem Bruder beim Laufrad fahren zuzusehen, so spannend, dass sie 20 Minuten gackerte. Angekommen schliefen beide ein und ich konnte mich im Strandkorb für drei Stunden zurück lehnen. Hugo ist 3,5 und eigentlich schon viel zu groß für den Donkey, Mittagsschlaf macht er normalerweise auch nicht mehr. Nur auf Sylt da ticken die Uhren anders. Er: „Mama, ich bin müde und gehe jetzt schlafen“, rein in seinen Sitz, natürlich leise da Junie schon in dem andren Sitz schlief, Verdeck selbst runter gezogen und 3 Stunden Siesta gehalten! Mein Sohn!

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So langsam kann man meine Sylt-Liebe verstehen, oder?

Die darauf folgenden Tage wurden immer schöner und entspannter. Wenn es morgens ab und zu noch regnete war mittags Sonnenschein und Strandwetter. Junie fiel jeden Abend von allein in den Schlaf. Hugo hat dann noch etwas Zeit mit mir genossen. Wir haben gelesen und uns vom Tag erzählt. Ich habe ihn dann einfach leise zu Junie ins Zimmer gelegt und durfte wieder raus gehen, denn er wollte ja schließlich allein auf seine kleine Schwester aufpassen.

Unsere Zeit zu dritt verging wie im Flug. Hugo und Junie sind in den Tagen so sehr zusammen gewachsen und im Umgang miteinander unglaublich niedlich, dass mir beim beobachten das ein oder andere mal die Tränen aus purem Glück die Wangen runter gelaufen sind.

Ich habe mir fest vorgenommen öfter allein mit beiden zu verreisen. Einfach aus dem Hauptstadttrubel zu fliehen und die Zeit bewusst zu genießen. Meinen Kindern die Welt zu zeigen und ihnen beim Entdecken, ohne große Ablenkung, zusehen zu können ist wundervoll. Zoo, Spielplatz, Circus oder viel Spielzeug brauchten wir in diesen Tagen nicht. Es gibt so viel zu entdecken wenn man richtig hinsieht. Auch das habe ich von den beiden und in unserer Zeit zu dritt gelernt. Die Welt durch Kinderaugen sehen. Muscheln, Algen, Flut, Ebbe, Häuser, Wolken, Hasen, Strandkörbe oder die Hunde vom Nachbarn, sind nur ein paar Dinge, die Hugo mir noch mal auf seine Weise gezeigt und „erklärt“ hat. Manchmal liegt das Gute so nah, man muss nur danach greifen!

Nächstes Jahr fahren wir wieder nach Sylt und auch wieder allein. Denn mein Mann kann sich leider nicht so viel Urlaub gönnen, wie ich es mir wünschen würde.

Der Moment, als Hugo und Junie ihn zum ersten Mal nach einer Woche wieder gesehen haben, bereitet mir heute noch Gänsehaut. Liebe Pur – bei uns vieren!

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